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Faust – Der Tragödie zweiter Teil; Samstag 01.05.2010, Südthüringisches Staatstheater Meiningen

 

Mal kein Musicalbericht, sondern ein Theaterbericht. Ich liebe Theater aber auch einfach so überhaupt sehr.

Nachdem ich den ersten Teil von Faust bereits zweimal gesehen hatte (September 2007 mit der Schule, November 2008 mit Mama) und wir den zweiten Teil dann Anfang der 12. Klasse auch noch mehr oder weniger durchgegangen waren, wollte ich unbedingt noch den zweiten Teil sehen. Die Karte schenkte ich meiner Mutter zum Geburtstag und mein Vater musste dieses Mal auch mit.

 

Um 7 Uhr sollte es losgehen und wir waren schon eine Weile vorher da. Was mich sehr gefreut hat, war der Bildschirm im Foyerbereich. Kein Besetzungsbildschirm, aber dafür liefen da durchgehend drei kleine Filmchen zu den Inszenierungen: „Elvis liebt dich“, „Faust II“ und „Misery“ – das ist ja fast wie bei der Stage!!

Wir saßen Reihe 5, die schon fast unsere Stammreihe ist. Das Meininger Theater ist wirklich sehr schön. Schade, dass ich vorläufig wahrscheinlich das letzte Mal dort war, denn ab Sommer/Herbst wird es restauriert.

Zu Beginn kam der Intendant und Regisseur, Ansgar Haag, auf die Bühne und sagte etwas von wegen, wenn der Intendant vor einem Stück auf die Bühne kommt, bedeutet das meistens nichts Gutes. In diesem Fall kündigte er nur ein paar Krankheitsfälle an, u.a. vom Kaiser, der aber trotzdem spielen würde und verkündete, dass die Vorstellung aufgrund eines ausgefallenen Verstärkers wohl etwas später beginnen würde. 5 Minuten nach 7 allerdings hob sich bereits der Vorhang.

 

Die Besetzung:

Faust: Hans-Joachim Rodewald
Mephistopheles: Roman Weltzien *love*

Helena: Felicitas Breest

Kaiser: Michael Jeske
Sorge; Hofdame; Gärtnerin; Lamie; Trojanerin;
Gretchen: Dagmar Geppert

Homunkulus; Euphorion: Peer Roggendorf

Wagner; Holzfäller; Haltefest: Reinhard Bock
Chiron, Gefährte Euphorions, Narr, Obergeneral: Benjamin Krüger *love*

u.v.m.

 

Als ich das erste Mal Faust I sah und Faust seinen langen Monolog hatte, den ich bis dahin noch nicht kannte, hatte ich wirklich auf Mephisto gehofft und darauf, dass er so werden würde, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Roman Weltzien hatte mich dann nicht enttäuscht. Er ist einfach ein super Mephisto – ich liebe sein Schauspiel, seine Mimik und seine Stimme als Mephisto. Im ersten Akt ist Mephisto sehr präsent, er hält viele Fäden in der Hand und lenkt Faust. Im zweiten Akt ist er tierischer und geht mehr seinen Gelüsten nach. Außerdem hat er nicht mehr so viel Einfluss, da er im mythologischen Südosten als christlicher Teufel gegenüber den griechischen Göttern keine große Macht mehr hat. Trotzdem ist Mephisto eine meiner Lieblingsfiguren der Literatur und Roman Weltzien entspricht genau meinen Vorstellungen: nicht besonders groß mit ein paar weiblichen Zügen (der Teufel ist ja auch kein richtiger Mann) und wenig. Er tauchte mal hier auf, mal da, lag auf der Kutsche, kam durch den Zuschauerraum, und platzierte sich sogar auf einer Rollstuhllehne.

Hans-Joachim Rodewald, der sich im ersten Teil die Rolle noch mit Peer Roggendorf teilen musste, gefällt mir in seiner Rolle auch sehr gut. Er passt einfach wie (Achtung, dummes Wortspiel) die Faust auf’s Auge. Peer Roggendorf durfte diesmal seinen Sohn Euphorion spielen und sogar rocken und singen, sowie Homunkulus – oder auch ‚Ümüncülüs (Insider aufgrund eines Vorspiels in Deutsch.) Homunkulus – der von Wagner künstlich erschaffene Mensch, der in einer Glaskugel existiert. In Meiningen war Homunkulus tatsächlich ein Art große Babypuppe, ähnlich wie Baby-Elphaba in Wicked, und kam auch noch in einer Art Bubble angeschwebt. Peer Roggendorf übernahm dann den Sprechpart und steuerte die Puppe mit einer Fernsteuerung. Leider, leider verstirbt ‚Ümüncülüs viel zu früh.
Einen weiteren Schauspieler, den ich noch hervorheben muss, ist Benjamin Krüger, Valentin in Teil I, sowie ehemaliger Enjolras in „Les Misérables“. Neben Roman Weltzien ist er mein Lieblingsschauspieler am Theater. Er hatte diesmal zwar keine große, sondern ein paar kleine Rolle, bekam am Ende aber trotzdem viel Applaus, sicherlich aufgrund seines nicht unbedingt unattraktiven Aussehens. Bei seinem Auftritt als Chiron wurde es rockig und als Obergeneral hatte er zwar nicht viel zu sagen, dafür konnte ich seinen wirklich tollen Ausdruck und seine Mimik beobachten.

Überhaupt mag ich das Meininger Schauspielensemble wahnsinnig gerne, sie sind alle großartig.

 

Faust II ist ein hochaktuelles Stück: Finanzkrise, Inflation, Krieg – sogar die Griechen kamen nicht ungeschoren davon: „Das Griechenvolk, es taugte nie recht viel!“ Wie passend, es wurde gelacht.

 

Was mir außerdem noch sehr gut gefallen hat an der Inszenierung, die wirklich sehr einfallsreich war mit vielen Effekten und Bühnenbildwechseln und Kommen durch das Publikum, war die musikalische Untermalung. Eine Live- band spielte die ganze Zeit über und ab und an gab es wirklich gute Gesangseinlagen.

 

Mit fast vier Stunden inklusive zwei Pausen, jeweils vor und nach dem dritten Akt, war das Stück doch sehr lang, aber keine Sekunde langweilig.

 

Zwei Souvenirs habe ich auch: einmal einen ganzen Bündel Geldscheine, die Mephisto im ersten Akt, in dem Papiergeld gedruckt wird, ins Publikum geschmissen hat und die genau in unsere Richtung flogen und zum zweiten ein Poster von Roman Weltzien in „Mein Freund Harvey“, die auf dem Gabentisch unter dem Bildschirm standen.

 

Ein wirklich gelungener Abend. Ich kann jetzt nicht sagen, welchen Teil ich mehr mochte. Der erste Teil hat nur eher einer klare Linie und Handlung, während der zweite Teil mehr zerstückelt, dafür aber auch für Goethes Zeit unglaublich clever und erschreckend voraussichtig ist. Jedenfalls waren das Ensemble und die Inszenierung top! emotion

PS: Danke an die bestimmte Person für das wundervolle "Jesus Christ Superstar" - Headeremotion

Aida, Aida - Coburg; 23.05.2010

 

Wir waren viel zu früh am Theater, weshalb wir, nachdem wir die Karten (Parkett Reihe 2 Platz 10 &11) abgeholt hatten, uns noch draußen auf eine Bank gesetzt, uns dabei gesonnt und den Parkplatzeinweisern zugeschaut haben, bis wir schließlich endgültig ins Theater sind. Es war ziemlich warm im Theater, was aber auch irgendwie zum Stück passte.

Mein Platz war echt super, genau mittig und ich hatte auch keinen Kopf vor mir.

 

Besetzung:

Aida: Dominique Aref

Radames: Ramin Dustdar

Amneris: Ulrike Barz

Zoser: Stephan Mertl
Mereb: Benjamin Savoie

Nehebka: Anastasia Scheller

Pharao: Wolfgang Mühlenbeck

Amonasro: Kostas Bafas

 

Das Stück war auf Englisch mit deutschen Dialogen und deutschen Übertiteln. Die Übersetzungen waren teilweise aber echt nicht so toll und ich denke, ich mag das Stück lieber auf Englisch, auch wenn die Übertitel jetzt nicht gleichzusetzen sind mit den deutschen Texten, die immerhin von Herrn Kunze stammen.

 

Aida: Dominique Aref

Sie war toll. Stimmtlich gefiel sie mir viel besser, als die Aidas auf der deutschen und der englischen CD, weil sie nicht so herb rüber kam. Ihr Schauspiel hat mir auch sehr gefallen, sie war trotz allem immer sehr majestätisch, wie es ja zu Aida passt. Dass sie jetzt nicht so eine dunkle Hautfarbe hat, hat mich überhaupt nicht gestört.

 

Radames: Ramin Dustdar

Unser Jesus! Durfte gleich am Anfang schon mal wieder sein Hemd ausziehen. Er war super. Er war einer der Darsteller, bei dem ich mir immer gewünscht habe, dass er doch bitte noch was und noch mehr singt und so sollte es ja eigentlich auch sein.

 

Amneris: Ulrike Barz

Sie fand ich ja als Mrs. Lovett total gut. Als Amneris hat sie mir auch gefallen, wenn auch nicht ganz so sehr wie in „Sweeney Todd“. Ihre Amneris war übrigens rothaarig. Im Vergleich zu den beiden CD-Amneris-darstellerinnen hat sie eine tiefere Stimme, die aber echt gut ist. Nur an manchen Stellen hätte ich sie mir noch ein bisschen rockiger gewünscht. Einige ihrer Gesichtsausdrücke waren auch echt witzig.

 

Mereb: Benjamin Savoie

Er teilt sich die Rolle mit Thada, aber ich hab mich gefreut, als ich gelesen habe, dass er an diesem Abend Mereb spielt. Er ist niedlich. Bei „How I Know You“ hatte ich das erste Mal Gänsehaut. Vom Theaterensemble ist er mein Lieblingsdarsteller.

 

Zoser: Stephan Mertl

Er war etwas steif und blass und sah aus, als hätte er es nicht ganz so mit der englischen Sprache. Stimmlich war er eben nicht so gut wie Kristian Vetter auf der CD und schauspielerisch war er auch nicht so gut. Das ist jetzt nicht schlimm, weil er sowieso nicht so viele Auftritte hat, aber ich habe ein Video mit Drew gesehen, wie er „Eine Pyramide mehr“ singt und das ist vor allem mimisch so genial. Jaja, ich und mein Drew.

 

Nehebka: Anastasia Scheller

War stimmlich echt gut und hat mir gut gefallen.

 

Pharao & Amonasro

Zu denen muss und kann ich ja eigentlich nicht viel sagen. Kostas Bafas alias Amonasro, den ich schon als Pirelli gesehen habe, hatte einen Akzent, der gut zur Rolle gepasst hat. Also jetzt nicht der Akzent (Griechisch), sondern, dass er einen hatte.

 

 

Chor/Ensemble

Das war gemischt. Es gab ein paar, die etwas unbeholfen aussahen und einige waren aber auch echt gut. Die Tänzerinnen waren aber echt niedlich.

 

 

Die Musik von Elton John ist eingängig und mir wurde schon öfter gesagt, dass man erkennt, dass sie von ihm ist. Das kann ich jetzt nicht so sagen, ich kenn mich da nicht so aus, aber es gibt ein paar schöne Stücke. Highlights der Show waren auf jeden Fall: „How I Know You“, „Dance of the Robes“, „Not Me“, „Easy as Life“ und was ich auch sehr schön fand, war die kleine Reprise von “Fortune Favors the Brave”. Die Songs von Zoser hätte ich mir noch ein bisschen rockiger gewünscht “Fortune Favors The Brave” war zwar super von Ramin gesungen, aber leider war der Chor mit seinem “ohh-ohh-ohh…” nicht so stark.

Die Geschichte ist, obwohl sie ja tragisch endet, trotzdem gute Unterhaltung, auch wenn ich es ziemlich grausam finde, jemanden bei lebendigem Leib zu begraben. Aber wer nicht?

 

Beim Schlussapplaus gab es Schlussapplausmusik, was ich gut fand. Ich liebe Schlussapplausmusik. Ich hab mich kurz geärgert, weil die Frau schräg vor mir Fotos gemacht hat und ich eigentlich auch super Sicht gehabt hätte, um ein Foto zu machen, meine Kamera aber ausnahmsweise mal zu Hause gelassen hatte.

Nachdem es schon einige Verbeugungen und Vorhänge gegeben hatte, hab ich mich umgesehen und es standen nur so 3,4 Leute und da hab ich zu meiner Mutter gemeint, dass wir auch hätten aufstehen sollen und sie meinte dann „Komm wir stellen uns hin. Und auf einmal standen dann fast alle und es gab doch noch Standing Ovations. Das fand ich sehr schön.

 

"Ein gutes Musical...."

 

Vor einiger Zeit habe ich in einer Musicalzeitschrift ein schönes Zitat entdeckt, dass ich euch nicht vorenthalten möchte.  Deswegen gibt es jetzt eine Zitate-corner

"Ein gutes Musical unterscheidet sich von einem schlechten dadurch, dass es auch ohne Musik noch ein gutes Stück ist."

by Leonard Bernstein